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 Betreff des Beitrags: Die mittelalterliche Ernährungssituation
BeitragVerfasst: 1. Jun 2011, 23:18 
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Im Mittelalter nahm man fetthaltigere Nahrungsmittel und deutlich umpfangreichere Mahlzeiten zu sich als heute. Die Gründe lagen mitnichten an der berühmten Völlerei oder gar an einer besseren Versorgung. Im Gegenteil, gerade die Ärmeren aßen sich, wenn einmal genügend Nahrung vorhanden war, bis obenhin voll.
Man konnte nie wissen wann die nächste Mahlzeit aufgetischt werden würde. Aber auch die körperliche Arbeit in der vorindustriellen Zeit vorderte ihren Tribut und der tägliche Kalorienbedarf lag um ein Vielfaches höher als heute.

Seit dem 12. Jh. war es bei den Bessergestellten üblich, drei bis vier Mahlzeiten am Tag zu essen. Das Frühstück bestand aus einem Becher Wein. Richtig gegessen wurde erst etwa ab 9 Uhr beim Frühmahl, das in der Regel aus mehreren Gängen bestand und mit unserem heutigen Mittagessen vergleichbar ist. Zur Mittagszeit wurde wieder Wein gereicht, in den man einige Brocken Brot tunkte. Das Abendessen wurde zwischen drei und sechs Uhr eingenommen, war die Hauptmahlzeit und bestand auch wieder aus mehreren Gängen die bis zum Dessert und dem Schlaftrunk reichen mussten.
Eine festgelegte Speisefolge wie heute kannte man nicht, lediglich Süßspeisen wurden immer zum Ende einer Mahlzeit gereicht.
Ein Grundherr hatte sich auch für sein Gesinde an diese Abfolge zu halten. Auf dem Speiseplan des Gesindes vom Zehnthof der bayerischen Herzöge in Heilbronn war folgendes zu finden:
- Weiß- und Mischkornbrot
- Gerste, Hafer und Hafermehl
- Erbsen, Grieß, Hirse
- Salz
- Schweine- und Butterschmalz
- gesottenes und gebratenes Fleisch
- Käse und Milch
- Kraut, Rüben, Eier
- verschiedene Fischarten
- Äpfel, Kochbirnen
- Zwiebeln, Gewürze

Die Küche der Handwerker und Bauern dürfte im Wesentlichen der des Gesindes entsprochen haben. Der Speiseplan eines gewöhnlichen Bauern wies auf:
- Breie und Grützen aus Hafer, Erbsen, Bohnen, Weizen, Hirse, Roggen und Buchweizen gekocht mit Mich und Butter oder Wasser
- Eingeweide, Schweinsköpfe und Schweinepfoten
- Blut-, Leber-, Brat-, Fleisch- und Hirnwurst
- Kraut, Kohl, und Rüben, angemacht mit Speck und Schmalz
- Roggen-, Hafer-, Gersten- und Fladenbrot

Quelle: Das Buch von guter Speise, Jakob Blume


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 Betreff des Beitrags: Re: Die mittelalterliche Ernährungssituation
BeitragVerfasst: 2. Jun 2011, 09:34 
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Allerlei Tischsitten

Urheber verbindlicher Tischzuchten waren meist Hofkleriker wie der Spanier Petrus Alfonsi, der zu Beginn des 12. Jh. Vorschriften zum Benehmen bei Tisch zusammenfasste:
Iss nicht das Brot, bevor der erste Gang auf den Tisch kommt, sonst wird man dich für unbeherrscht halten. Stecke nicht ein so großes Stück in den Mund, dass die Krumen rechts und links wieder herausfallen, sonst wirst du als Fresser angesehen.
Schlucke das, was du im Mund hast nicht eher hinunter, bis es gut gekaut ist, damit du dich nicht verschluckst. Trinke erst wenn dein Mund leer ist, sonst hält man dich für einen Saufer. Sprich nicht solange du etwas im Mund hast.

Die meisten Tischzuchten lassen sich auch als Hygienevorschriften lesen. Den Höhergestellten wurde geraten, sich mit frisch gewaschener Kleidung zum Essen zu begeben, um kein Ungeziefer mit an die Tafel zu tragen.

Die Tischzuchten legen nicht nur dar wie man sich beim eigendlichen Essen verhalten sollte, sondern gaben auch Hinweise auf den Umgang mit dem Tischgenossen, insbesondere mit dem anderen Geschlecht.
Von den Herren wurde erwartet, den neben ihnen sitzenden Damen, das auf einer Platte dargebotene Fleisch zu schneiden und zu überreichen, da man davon ausging, dass die Frauen die Kunst des Tranchierens - srich den Umgang mit dem Dolche - nicht beherrschten.
Dieser Brauch, dass der Mann den Festbraten anschneidet und verteilt, hat sich bis heute in vielen Haushalten erhalten. Weiterhin wurde von den Herren erwartet nicht zu eng an die Damen heranzurücken und alles Derbe und Unziemliche in ihrer Gegenwart zu unterlassen.
Die Frauen hingegen durften die Männer nicht mit schlechtem Geruch oder intensieven Parfum stören. Außerdem würde ihnen geraten sich bei Tisch nicht auf die Flohjegt zu begebn und nicht zu dehr mit den Männern zu flirten.

So Spiegelt sich in vielen Tischzuchen wieder, dass das was wir unter Sitte und Anstand verstehen an nicht eben vielen Tafeln Platz genommen hatte. Das man nicht ins Tischtuch schneutzen soll, hätte darin wohl kaum Erwähnung gefunden, wäre diese Unsitte nicht ang und gäbe gewesen.

Im Mittelalter aß man selbst in der vornehmeren Gesellschaft mit den Fingern, teilte sich mit seinem Nachbarn zuweilen den Löffel und das Trinkgefäß und bediente sich seiner Hände, um Fleischstücke aus der gemeinsamen Schüssel oder aus dem großen Topf zu fischen. Dadurch waren allein schon aus hygienischen Gründen bestimmte Verhaltensmaßregeln beim geneisamen Mahl erforderlich.
Zuersteinmal musste man - soweit möglich - sicher sein, dass alle Teilnehmer saubere Hände hatten. Deshalb wurde das öffentliche Handwaschen eingeführt. Diener hatten vor Beginn jeder Mahlzeit Wasserkannen, Handbecken und Tücher bereitzuhalten. Nach dem Essen erschienen sie ein zweites Mal, damit siech die Gäste erneut säubern konnten. Andere Tischsitten schrieben vor: Keine langen Fingernägel, weil sie Krätze verursachen. Halte den Platz vor dir sauber und wirf keine Abfälle unter den Tisch.
Schneuze dich nicht zu laut, und wenn du schneuzen musst, dann tue es nicht mit der Hand, die das Fleisch anfasst.
Bei Tisch kratzt man sich nicht und spuckt nicht über den Tisch. Säubere deine Zähne nicht mit der Messerspitze . Tu Salz auf deine eigene Brotscheibe und tunke nicht das Fleisch in das Salzfass.
Wenn du Brot in den Wein tauchst, trinke den Wein ganz aus oder gieß den Rest auf die Erde. Die Hand mit der du das Fleisch aus der gemeinsamen Schüssel nimmst sei nicht fettig oder schmutzig. Es ist wenig schicklich sich die Finger abzulecken. Nage nicht die Knochen mit den Zähnen ab oder mit den Fingernägeln.

Die mittelalterlichen Tische waren inder Regel weder überladen noch üppig dekoriert, sondern auf einem einfachem Tischtuch mit Vorlegeschalen oder-platten, Tellern, Trinkgefäßen, Salzfass, Messern und Löffeln gedeckt.
Tische im heutigen Sinne kannte man nicht. Stattdessen wurden Holblöcke aufgestellt, auf denen ein Brett lag.
Die Gänge eines mittelalterlichen Menüs bezogen sich auf die Anzahl der Gänge des Personals mit dem Essen zum Tisch - aufgetragen wurden immer mehrere Gerichte auf einmal.
Die Sitte mit Messer und Gabel zu essen hat sich bis heute nicht in allen Kulturen durchgesetz. Benutzt wurde das Besteck Anfangs nur zur Zubereitung der Speisen, nicht aber zum Essen.
Das ganze Mittelalter hindurch aß man entweder mit den Fingern oder mit dem Löfel (aus Holz oder Horn, später auch Zinn, Bronze oder Silber). Die Trinkgefäße bestanden aus Holz, Keramik oder Metall und nur selten, und nur in sehr reichen Haushalten aus Glas.
Die Gabel hatte es am schwersten, erst seit Ende des 17. Jh. ist sie von unseren Tischen nicht mehr wegzudenken.


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